Mahnmal wider das Vergessen

Mahnmal wider das Vergessen

Warum unser Café am 15. September 2019 geschlossen bleibt

der Hintergrund

Die Gemein­de Bracht­tal hat ein Mahn­mal errich­tet, das die Erin­ne­rung an die Opfer des Natio­nal­so­zia­lis­mus wach hal­ten soll. Zu die­sen Opfern gehö­ren unse­re Mit­men­schen, die ver­folgt, ent­rech­tet, gequält und ermor­det wur­den., sei es aus Ras­sen­wahn, aus reli­giö­sen Moti­ven, wegen einer Krank­heit oder Behin­de­rung, wegen ihrer sexu­el­len Ori­en­tie­rung, ihrer poli­ti­schen Ein­stel­lung oder weil sie mutig Wider­stand leis­te­ten.

Das darf nie­mals wie­der vor­kom­men. Weh­ret den Anfän­gen — und die­se Anfän­ge erle­ben wir heu­te.

Das Atten­tat auf den Eri­teer in Wäch­ters­bach ganz in unse­rer Nähe zeigt, wie aktu­ell das The­ma heu­te wie­der ist.

Unser Beitrag

Wir möch­ten an der offi­zi­el­len Fei­er­stun­de teil­neh­men — und die fin­det am Sonn­tag, dem 15. Sep­tem­ber 2019 von 14 bis 15 Uhr statt.

Nor­ma­ler­wei­se haben wir sonn­tags unser Café geöff­net und kön­nen sol­che Verst­an­stal­tun­gen nicht besu­chen.  An die­sem 15. Sep­tem­ber wer­den wir das jedoch anders hand­ha­ben — nicht zuletzt, weil die Nich­te des ein­zi­gen Über­le­ben­den, Erich Grü­ne­baum, zusam­men mit ihrer Toch­ter an die­sem Tag in Hell­stein sein wird.

Mit unse­rer Anwe­sen­heit möch­ten wir den Nach­fah­ren der Ermor­de­ten unse­re Demut zei­gen, eben­so wie unse­re betrof­fe­ne Anteil­nah­me dar­an, dass sich in unse­rem Land heu­te wie­der Rechts­ex­tre­mis­mus, Ras­sis­mus und Hass auf Frem­de und Frem­des breit machen kön­nen.

Die furchtbare Geschichte

Erich Grü­ne­baum floh im Alter von elf Jah­ren allei­ne über Frank­reich, Spa­ni­en und Por­tu­gal nach Ame­ri­ka. Sei­ne Schwes­ter und sei­ne Eltern wur­den 1942 und 1943 in Ausch­witz ermor­det. Die bei­den Kin­der wur­den im Jahr 1935 auf der Trep­pe der Hell­stei­ner Schu­le foto­gra­fiert.

Ob jemand damals so weit den­ken konn­te, dass nicht nur die­se Fami­lie in einem klei­nen, beschau­li­chen Dorf in der Vogels­berg­re­gi­on von unse­ren bar­ba­ri­schen Lands­leu­ten aus­ge­löscht wer­den wür­de?

Erich Grü­ne­baum über­leb­te. Heu­te ist er 91 Jah­re alt und lebt in den USA.

Man stel­le sich die­se Flucht vor! Man stel­le sich vor, was die­ser Jun­ge aus­hal­ten muss­te! Man stel­le sich das Leid vor, das ange­rich­tet wur­de, weil „Her­ren­men­schen“ mein­ten, ihre wider­li­chen Ansich­ten an ande­ren Men­schen aus­las­sen zu müs­sen.

Wir sind uns nicht sicher, ob es tat­säch­lich der Aus­weis von dem Erich Grü­ne­baum ist, den wir  hier abbil­den — aber das ist nicht wich­tig.  Den­ken SIe sich hin­ein in die­sen Jun­gen, der im Alter von elf Jah­ren sei­ne Fami­lie zurück­las­sen muss­te — und sie nie wie­der sehen soll­te.

Ein Mahnmal für heute

Die Flucht vie­ler Men­schen aus ihrer Hei­mat, die wir heu­te erle­ben, soll­ten wir dabei nicht ver­drän­gen. Und wir soll­ten dabei eben­so nicht ver­ges­sen, wie sich unse­re Gesell­schaft gegen­über die­sen Flüch­ten­den ver­hält, wie sich jede und jeder Ein­zel­ne ver­hält.

Das Mahn­mal soll dafür ste­hen, dass man zwar die Geschich­te nicht mehr rück­gän­gig machen kann, man jedoch sehr wohl dafür ver­ant­wort­lich ist, dass sie sich nicht wie­der­holt.  Des­halb:

 

 

 

 

Machen Sie mit!

Sie kön­nen sich betei­li­gen:  Kom­men Sie zu der Fei­er­stun­de in Hell­stein!  Las­sen wir gemein­sam den „Weis­sen Gar­ten“ aus allen Näh­ten plat­zen.

Die Anschrift ist: Raiff­ei­sen­stras­se 10, 63634 Bracht­tal, OT Hell­stein
Die Ver­an­stal­tung beginnt um 14 Uhr.

Set­zen wir ein Zei­chen gegen das, was gera­de in unse­rem Land, in unse­rer Regi­on, ja, in jedem Dorf pas­siert.